25-jähriges Jubiläum: Holsteiner Zuchtverband feiert in Elmshorn

Einer der Höhepunkte der Holsteiner Pferdetage 2008 ist die Feier zum 125-jährigen Jubiläum des Holsteiner Verbandes am Dienstag, 10. Juni, um 19.30 Uhr in der Fritz-Thiedemann-Halle. Der ehemalige Zuchtleiter, Gerhard Gramann, und dessen Nachfolger Dr. Thomas Nissen lassen anhand einer Bilddokumentation die Geschichte des Holsteiner Verbandes Revue passieren, begleitet von der Vorstellung ausgesuchter Vierbeiner der Holsteiner Zucht.

Die Geschichte des Holsteiner Pferdes lässt sich bis in das Jahr 1225 zurückverfolgen: Gerhard I., Graf von Schleswig-Holstein und Stormarn, verlieh dem Kloster Uetersen das Recht, seine Pferde in der Wildbrache der Grafschaft Pinneberg zu weiden. Das Landstallmeisteramt gab es in Holstein bereits unter König Christian I. (1460 – 1481). Schon im 16. Jahrhundert, als das kräftige, veredelte Reit- und Wagenpferd gezüchtet wurde, kam dem Export der Pferde ins Ausland eine große Bedeutung zu. So soll König Philipp von Spanien (1527-1598) ausschließlich Holsteiner Hengste für sein Gestüt in Cordoba benutzt haben. Später entdeckte auch Ludwig XIV. die schweren Holsteiner Kavallerie-Remonten, und der bekannte Reitmeister de la Guérinière nutzte die Eignung des Holsteiners für die Schule über der Erde. Als die schwere Kavallerie Ende des 19. Jahrhunderts von den Schlachtfeldern verschwand, gab es eine Zäsur im Holsteiner Zuchtgeschehen, denn der Personenverkehr in von Pferden gezogenen Luxuswagen nahm zu, und die Pferde mussten, um auf teilweise grundlosen Wegen vorwärts zu kommen, einen “hohen und räumenden” Gang haben.

Die in jener Zeit bereits existierenden Pferdezuchtvereine schlossen sich 1883 zum ersten Pferdezuchtverband in der Kremper Marsch zusammen und gleichzeitig kam es zur Herausgabe des ersten Gestütsbuchs durch Ökonomierat Georg Ahsbahs. Dieser Verband fusionierte 1935 mit dem 1896 gegründeten “Verband des Schleswig-Holsteiner Geestlandes” zum “Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes”. 1944 wurde der noch heute genutzte Brand eingeführt. Nach dem 2. Weltkrieg verringerte sich der Pferdebestand im Land zwischen den Meeren bedenklich. 1960 gab es nur noch 1.311 Holsteiner Stuten, was den schleswig-holsteinischen Landtag dazu bewog, das 1874 gegründete Landgestüt Traventhal aufzulösen. Nach vielen Diskussionen übernahm der Verband fast den gesamten Hengstbestand aus Traventhal und baute sich im Laufe der Jahre in Elmshorn das Hengstdepot auf. Rund 70 Verbandshengste und an die 200 Holsteiner Privathengste befinden sich derzeit im aktiven Zuchteinsatz, rund 8.000 Zuchtstuten sind heute in Holstein registriert.

Zu den bekanntesten Vererbern der 60er Jahre zählen der 1961 in England geborene Vollblüter Ladykiller xx, der Vater von Landgraf I, dem bereits zu Lebzeiten vor den Elmshorner Stallungen ein Denkmal gesetzt wurde, sowie der Anglonormanne Cor de la Bryère. Ein weiterer Hengst der Holsteiner Zuchtgeschichte geschrieben hat, ist Capitol I als Vater weltbekannter Springpferde und Hengste, wie beispielsweise Cassini I, Carthago und Dobel’s Cento. Eine besondere Bedeutung kommt in Holstein auch den Stutenstämmen zu. Bereits Georg Ahsbahs verfolgte die Stutenfamilien bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts und gab jeder Familie eine Stammnummer. Ein System, das heute noch Gültigkeit hat und um das die Holsteiner von vielen anderen Zuchtverbänden beneidet werden.

Die Holsteiner Pferde zeichnen sich vornehmlich durch großes Springvermögen aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es vor allem Fritz Thiedemann, der mit seinen Pferden auf den Turnierplätzen weltweit Ehre und Ruhm für die Holsteiner Zucht einlegte. Kein Pferd wurde in Deutschland jemals so geliebt wie Meteor. Unvergessen bleiben aber auch Pferde wie Classic Touch, die 1992 unter Ludger Beerbaum Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona gewann, oder auch Lianos (Rodrigo Pessoa) Calvaro (Willi Melliger), Dobel`s Cento (Otto Becker), Fein Cera (Peter Wylde), Cöster (Christian Ahlmann) oder Cumano (Jos Lansink), die ihren Reitern in jüngerer Zeit zum “Sprung” auf das Treppchen bei internationalen Championaten verhalfen. Zu den Holsteiner Dressurpferde, die von sich reden machten, zählen Aar, mit dem Dr. Reiner Klimke seine ersten wichtigen Erfolge im Dressursattel feierte, Antoinette und Venetia (Josef Neckermann), Granat (Christine Stückelberger), Corlandus (Margit Otto-Crépin), Montevideo (Uwe Sauer), Chacomo (Alexandra Simons de Ridder) oder Silvano (Ellen Bontje). Auch in der dritten olympischen Disziplin, der Vielseitigkeit, stehen Holsteiner immer wieder im Rampenlicht. Das war vor allen Dingen einem Reiter zu verdanken, der über 30 Jahren für den Holsteiner Verband geritten: Herbert Blöcker, der zahlreiche Medaillen unter anderem mit Albrant und Feine Dame gewann. Nicht vergessen darf man aber auch Karl “Kalle” Schultz und Madrigal, Brilliante, 2001 Vize-Europameisterin unter Inken Johannsen, oder auch den Schimmel Marius Voigt-Logistic, mit Hinrich Romeike 2006 Mannschaftsweltmeister in Aachen.

(ak via D.v. Preußen/Hb/fn-press)


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