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Am 6. Februar ist der Reit- und Fahrverein Isernhagen (Region Hannover) mit einer Pressemitteilung zur Absage seines Sommerturniers an die Öffentlichkeit gegangen. Auch die mögliche Auflösung des Vereins mit knapp 100jähriger Tradition und über 400 Mitgliedern schwebt im Raum. Sowohl die Durchführung der Turnierveranstaltung als auch der gesamte Vereinsbetrieb ließe sich nicht mehr mit den Belangen des Landschaftsschutzes vereinbaren, so der ehrenamtlich tätige Vereinsvorstand. Gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern in der Region Hannover soll mit den Pferdesportlern nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht werden.
Es geht um ein erweitertes Landschaftschutzgebiet, um Außenanlagen des Reit- und Fahrvereins Isernhagen, die möglicherweise abgerissen, beziehungsweise eingeebnet werden sollen und politische Entscheidungen in der Gemeinde Isernhagen sowie der Region Hannover.
Im Zuge des Neuausweisungsverfahrens des Landschaftsschutzgebietes Wietzetal im Jahr 1997 beantragte der Reit- und Fahrverein Isernhagen die Herausnahme seiner Außenanlagen (Springplatz, Dressurplätze und Außenanlagen) aus diesem Bereich aufgrund des vorhandenen Bestandes. „Auf Luftbildern der letzten zehn Jahre ist zu sehen, dass der Bestand der Außenanlagen seit diesem Antrag vor Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes nicht verändert wurde. Korrekt ist der Verein auch vorgegangen, als er 2010 den Bauantrag für die geplante Pferdeführanlage einreichte, der das nun akut bestehende Problem letztendlich ausgelöst hat“, so der Bürgermeister der Gemeinde Isernhagen, Arpad Bogya (CDU), in seinem Schreiben an den ersten Regionsrat, Prof. Dr. Axel Priebs, der Leiter des Dezernates Umwelt, Planung und Bauen in der Region Hannover ist. Anlässlich des Bauantrages des RFV Isernhagen für eine Pferdeführanlage 2010 wurde die seit vielen Jahren bestehenden Außenanlagen einer bauaufsichtlichen Prüfung unterzogen. „Formal gesehen könnte die Anpassung der Anlangen an Anforderungen des modernen Reitsports baurechts- und landschaftsschutzwidrig sein“, räumt der Verein in seiner Pressemitteilung ein. Auf einer öffentlichen außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12. März soll darum voraussichtlich die Auflösung des Vereins beschlossen werden.
Die Regionspolitiker sorgen sich, dass ein Präzedenzfall in einem Landschaftsschutzgebiet geschaffen wird. Bürgermeister Arpad Bogya hält es jedoch für fatal, dass die zuvor mit der Region abgestimmten „kooperativen Bestrebungen um formale Heilung für bauliche Anlagen, die bereits vor einer Schutzgebietsausweisung Bestand hatten“, zur Abrissverfügung führen könnten. Er bittet die Regionspolitiker in seinem Schreiben um eingehende Prüfung einer Befreiung der Außenanlagen des Reitvereins aus dem Landschaftsschutzgebiete Wietzetal. Dabei bezieht sich Bogya insbesondere auf den Paragraph 67 des Bundesnaturschutzgesetztes. Hier kann auf Antrag eine Befreiung gewährt werden, wenn „dies aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich sozialer und wirtschaftlicher Art, notwendig ist.“ Die Isernhagener Pferdesportler hoffen nun auf rege Unterstützung in ihrer Gemeinde und von Pferdefreunden aus ganz Niedersachsen.
Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorsitzender des Pferdesportverbandes Hannover, hofft, dass zeitnah eine einvernehmliche Lösung gefunden wird, und sich alle involvierten politischen Entscheidungsträger gemeinsam mit den Pferdesportlern an einen Tisch setzen. Für ihn ist das soziale und wirtschaftliche öffentliche Interesse in dieser Sache groß. Schließlich stünden sowohl der Kreis- und Bezirkspferdesportverband als auch der Pferdesportverband Hannover auf Landesebene hinter dem RFV Isernhagen. Gut 86.000 Pferdesportler sind im hannoverschen Landesverband organisiert. „Das springende Ross ist nicht nur Wappentier im Pferdeland Niedersachsen, sondern vor allem ein Wirtschaftsfaktor. Über 200.000 Pferde sind in Niedersachsen zuhause. Die beiden Zuchtverbände Hannover und Oldenburg sind weltweit führend. Ein Arbeitsplatz kommt auf drei Pferde, so dass wir hier von über 70.000 Arbeitsplätzen im Pferdesektor sprechen. Insgesamt werden in Niedersachsen rund fünf Milliarden Euro Umsatz in der Pferdesportbranche gemacht“, so der Landesverbandsvorsitzende des PSV Hannover. „Der RFV Isernhagen ist in vielerlei Hinsicht ein Leuchtturm in unserem Verband. Er ist mit über 400 Mitgliedern nicht nur einer der größten Pferdesportvereine, sondern auch  Veranstalter eines großen überregionalen Turniers, an dem Weltmeister und Olympiasieger teilnehmen. Außerdem leistet er vorbildliche Arbeit im Jugendbereich.“
Vor allem Kinder und Jugendliche aus weniger betuchten Familien haben die Möglichkeit im RFV Isernhagen auf Schulpferden reiten zu lernen. „Möglich war dies bisher nur, durch die vereinseigenen Schulpferde, welche von den Kindern umsorgt, gepflegt und geritten wurden. Pferde können anerkanntermaßen extrem viel für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bewirken“, so Elke Gerns-Bätke, erste Vorsitzendes des Vereins. Um Unterstützung bittet der Verein mit Postkarten an den Regionspräsidenten Hauke Jagau (SPD), die fleißig verteilt werden. Am 8. März findet in Isernhagen die öffentliche Sitzung des Umweltausschusses statt, auf der wichtige politische und rechtliche Entscheidungen fallen werden.
(eka via psvhannover-aktuell)


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