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Weniger, bunter, älter

Knapp 350 Pferdesport-Interessierte zog es in diesem Jahr zur 5. FN-Bildungskonferenz in die Westfälische Reit- und Fahrschule in Müns-ter. Nach der Eröffnung durch den Vorstandsvorsitzenden der Schule, Cons-tantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, sowie den Präsidenten des Westfäli-schen Pferdestammbuches, Rudolph Herzog von Croÿ, wurde wiederum ein interessanter Bogen zwischen Theorie und Praxis gespannt.

Als erste Referentin machte Professor Dr. Gudrun Doll-Tepper, Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes und Professorin an der Uni Berlin, deutlich, dass es im Sport nicht nur um begehrte Medaillen geht, sondern vor allem auch um Bildung. „Der Sport ist heute der größte Anbieter von Bildung in unserer Gesellschaft. Durch Engagement im Sport erwirbt man Kompetenzen, die man ein Leben lang an-wenden kann, auch außerhalb des Sports,“ betonte sie. Leider werde diese wichtige Aufgabe der Sport-Vereine von Seiten der Politik noch immer nicht genügend aner-kannt und unterstützt. Als Beispiel verwies die Professorin auf die Auswirkungen der Ganztagsschulen auf die Arbeit der Sportvereine nachzulesen auch in der DOSB-Broschüre „Quo vadis, Sportverein und Ganztagsschule?“, zu beziehen unter www.dsj.de/publikationen.

Mit dem Thema Motivation und Motive befasste sich der Vortrag des Sportpsycholo-gen Lothar Linz, selbstständiger Psycho-Coach und unter anderem Dozent und Prüfer an der Trainerakademie Köln. Er stellte die Frage, wie es ein Trainer schafft, alle Beteiligten – den Sportler, die Angehörigen und sich selbst – auch in schwierigen Phasen zu motivieren. „Motivation“, so erklärte er, „ergibt sich aus dem jeweiligen Motiv sowie dem Anreiz und der Erwartung, etwas zu tun.“ Seinen Konferenz-Vortrag mit vielen Anregungen und Informationen würzte er mit kleinen Mitmach-Aufgaben, durch die die Zuhörer sogleich am eigenen Leibe erfahren konnten, welche unter-schiedliche Motive jeder Mensch haben und wie verschieden die Motivation, etwas zu tun bzw. durchzuhalten, sein kann.

Mit komediantischem Talent schaffte es Referent Dr. Winfried Kösters, das trockene aber nicht minder ernste Thema ‘demografischer Wandel’ unterhaltsam zu präsentieren und die Zuhörer zu fesseln. Die gesamte Gesellschaft, auch der (Pferde)Sport, müsse sich auf drastische Veränderungen einstellen, so der Autor des Buches „Weniger – bunter – älter: Wie der demografische Wandel Deutschland verändert“. Dies sei eine Frage simpler Mathematik. „Schon jetzt werden weniger als die Hälfte der Kinder geboren als noch in den der 1960er Jahren.“ Die Alterspyramide ließe sich nicht mehr umkehren. „Es ist jetzt an der Zeit, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten“, mahnte er. „Auch der Pferdesport braucht andere Angebote und neue Konzepte, um überleben zu können.“ Spezielle Angebote für ältere (Reit)Sportler seien deshalb ebenso wichtig wie die vermehrte Einbeziehung von Kindern mit Migrationshintergrund.

Den praktischen Teil der Konferenz füllten Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, Bundes-trainer Dressur der Junioren und Jungen Reiter, sowie sein Amtskollege aus dem Springlager, Lars Meyer zu Bexten, mit Leben. Beide zeigten an drei Nachwuchsrei-tern unterschiedlichen Alters und reiterlichen Niveaus, wie sich spezielle Themen im Unterricht erarbeiten lassen und worauf Trainer im Hinblick auf die Sitzschulung, die Vermittlung von reiterlichem Einfühlungsvermögen oder aber die Herausforderung des rhythmischen Reitens über Sprünge achten müssen.

Den Abschluss der Konferenz bildete einmal mehr die Ehrung von Amateurausbilder und -ausbilderinnen, die im vergangenen Jahr eine besonders gute Prüfung abgelegt haben, mit der begehrten August Lütke-Westhues-Auszeichung. Aus den Händen von FN-Präsidiums-Mitglied Gisela Hinnemann, dem Präsidenten des Pferdesport-verbandes Westfalen Rudolph Herzog von Croy sowie FN-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Armbrust nahmen die 154 Ausbilder ihre Urkunden sowie je einen der be-gehrten FN-Lehrmittelkoffer „Fairness und Ethik rund ums Pferd“ entgegen, bevor sie sich zum Erinnerungsfoto aufstellten.

Ein ausführlicher Konferenz-Bericht mit allen Vorträgen wird wie in den Jahren zuvor in einer gesonderten Broschüre zusammengestellt und ist demnächst über die FN erhältlich. Und aufgrund des großen Zuspruchs seitens der Ausbilder soll es im kommenden Jahr dann die 6. Bildungskonferenz geben.
(eka via FN/Dr. Britta Schöffmann)

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